Vom 18. – 21.April 2002 fand wieder der alljährliche Erfahrungsaustausch der Arbeitsgemeinschaft historischer Nahverkehr statt, diesmal in Halle an der Saale.
Tagungsort war das „Neue Theater“, welches der Intendant Peter Sodann, bekannt auch als Kommissar Ehrlicher aus dem „Tatort“ freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte.
Im Stadtmuseum wurde eine sehenswerte Ausstellung zur 100-jährigen Geschichte der Überlandbahn Halle – Merseburg gezeigt, die unter maßgeblicher Beteiligung der Halleschen Straßenbahnfreunde entstand.
Neben der Theorie gab es auch Exkursionen mit dem den historischen Straßenbahnen in Halle, Besichtigung und Abendessen im historischen Straßenbahndepot an der Seebener Straße und eine Fahrt mit historischen Omnibussen zur Mansfelder Bergwerksbahn.
Mit diesen historischen Fahrzeugen wurden die Teilnehmer der Tagung durch Halle gefahren. Was der MVG unmöglich erscheint ist in bei anderen Verkehrsbetrieben eine Selbstverständlichkeit.
Im historischen Straßenbahndepot an der Seebener Straße.
Einige Fachvorträge waren für uns Münchner besonders interessant, konnte man doch hören wie intensiv in anderen Städten die Traditionspflege von den Verkehrsunternehmen gefördert wird:
So wurde unter anderem berichtet:
Über den Kooperationsvertrag zwischen Verein und VAG in Nürnberg.
Über den Wert der ehrenamtlichen Arbeit der Mitglieder des Vereins
Tram Museum Zürich.
Im Vortrag des Halle Tourist e.V. konnte man lernen wie der Tourismusverband
durch regelmäßige Stadtrundfahrten mit historischen Straßenbahnwagen
eine Attraktion für Touristen schafft.
Die MVG hat ja inzwischen auch einen zaghaften Versuch gewagt, so etwas
einzuführen. Die Stadtrundfahrten mit der „München Tram“ fanden
allerdings nur während der Dauer des Oktoberfestes statt. Rundfahrten
mit Fahrzeugen, die historischer sind als der P-Wagen wären auch eine
Riesenattraktion.
Im Vortrag „Tagungserlebnis alte Wagenhalle“ wurde aufgezeigt wie ein Straßenbahnmuseum in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Gastronomie für Veranstaltungen und Events (wie man neudeutsch sagt) genutzt werden kann, um so zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften.
Rolf Hafke vom Verband Deutscher Verkehrsamateure referierte über die Wünsche der Besucher von Straßenbahnmuseen.
Über technische Lösungen zur Anpassung von Oldtimerwagen an die heutigen technischen Bedingungen konnte man einiges lernen. So hat man in Leipzig recht pfiffige Lösungen ausgedacht, um die Oldtimer vor Schäden durch Spannungsspitzen zu schützen, welche entstehen können, wenn moderne Wagen Energie ins Netz zurückspeisen.
Besonders interessant, war der Vortrag „Alte Handwerkstechnik neu erlernen“
(Lehrlingsausbildung und Sponsoring)
Hier beschrieb ein Handwerksmeister wie man zum gegenseitigen Vorteil
Lehrlinge an historischen Straßenbahnen ausbilden kann. Im Rahmen
der Ausbildung sind Verarbeitungstechniken zu erlernen, wie sie in der
heutigen Holzverarbeitung kaum mehr vorkommen. An den aufbauten der alten
Wagen können diese Techniken aber sinnvoll angewandt werden, so das
im Rahmen der Ausbildung bleibende Werke geschaffen werden können.
Den Teilnehmern der Vereine aus München blieb angesichts dieser
Eindrücke nichts als der blasse Neid.
Bei uns steht man ausgesperrt vor der verschlossenen Betriebshof 3.
Die historischen Wagen dürfen alle 25 Jahre zum Jubiläum einmal
fahren. Ansonsten zeigt die MVG so gut wie gar kein Interesse an historischem
Nahverkehr.
Auf ein Trambahn- und Feuerwehrmuseum braucht man in dieser armseligen
Stadt, die nun sogar schon darüber nachdenkt, das Deutsche Theater
abzureißen wohl nicht mehr zu hoffen.
Noch einige Impressionen von der Tagung in Halle:
Gott Sei Dank ist hier niemand verletzt worden.
Es handelt sich lediglich um eine sehr eindrucksvolle Übung
der Feuerwehr,
die den Tagungsteilnehmern dargeboten wurde.
Wagen der Merseburger Überlandbahn mit 2. und 3. Klasse. Diese Idee aus den 1920er-Jahren greift die MVG neuerdings auch wieder auf. In den R3-Wagen gibt es gleichzeitig Holzsitze und Polstersitze. Ein Zuschlag für die Polstersitze wird derzeit aber noch nicht erhoben.
Fahrzeugaufstellung vor dem Depot Merseburg