Straßenbahnfreunde München e.V.

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Rückblick auf das Jahr 2000

Bereits im Dezember 1999 erschien der erste Straßenbahnwagen der neuesten Generation, der vierteilige Niederflurwagen vom Typ R3. Gegenüber dem dreiteiligen R2 ist dieses Fahrzeug eine technische Verbesserung. In den neuen Fahrzeugen können sich nun auch wieder ausgewachsene Menschen gegenübersitzen, ohne sich mit ihren Füßen in die Quere zu kommen.

Nur die Farbe wollte uns halt ganz und gar nicht gefallen. Den Wagen zierte nicht mehr das traditionelle Weiß-blau der Münchner Trambahn, sondern er erschien in einer Farbe, die eher an eine bekannte Schokoladenmarke erinnert. Daher tragen die R3 Wagen auch den Spitznamen "Lilakuh". Allerdings ist der Wagen nicht ganz lilablau. Die Farbe weiß, um die Fenster herum ist durch silber ersetzt worden. Doch schon der Weiß-Ferdl sang in seinem Lied von der Linie 8: "Ein Wagen von der Linie 8, weiß-blau fährt weiter durch die Stadt..." Und da braucht es keinen teuren Designer, um hier etwas anderes zu erfinden.

Die "Lilakuh"





Daraufhin starteten wir in Zusammenarbeit mit der Zeitung TZ unser Bürgerbegehren "Rettet die weiß-blaue Trambahn". Bis zum Frühjahr 2000 hatten wir 20.000 Unterschriften gesammelt und auch einige Infostände in der Innenstadt aufgestellt. Ganz besonders beim Unterschriftensammeln geholfen hat uns der Giesinger Weißbierglas-Museums-Frisör Gabler in der Deisenhofener Straße. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!

Allerdings wurde uns dann vom Rathaus leider mitgeteilt, daß die Stadtwerke München nun eine privatwirtschaftliche GmbH seien, und daher auf der politischen Ebene eines Bürgerbegehrens auf diese Firma kein Einfluß genommen werden könne. Natürlich weiß jedes Kind, daß öffentlicher Nahverkehr niemals kostendeckend betrieben werden kann, und die SWM somit immer noch von der Stadt München finanziert werden. In Bayern gibt es auch das Sprichwort: "Wer zahlt schafft an." Aber das scheint den Oberbürgermeister Christian Ude in diesem Falle nicht zu interessieren. Im Dezember 2000 waren von den 20 bestellten Vierteilern 10 Stück geliefert und im Einsatz.
 
 

Im Mai machten wir dann unsere Vereinsreise zum Tramwaytag in Wien.

Im Gegensatz zu München wird dort auf die Traditionspflege ganz besonders Wert gelegt. Auch hat die Tram, oder Bim, wie sie dort genannt wird, bei der Bevölkerung ein viel höheres Ansehen als bei uns. Der Wiener Tramwaytag ist schon seit einigen Jahren eine sehr schöne Tradition. Bei diesem alljährlich stattfindenden "Event" gibt es einen Tag der offenen Tür in einem der zahlreich vorhandenen Betriebshöfe. Außerdem wird eine komplette Straßenbahnlinie mit den ebenso zahlreich vorhandenen Oldtimerwagen betrieben.

Davon kann man in München nur träumen.

Doch manchmal werden Träume auch wahr! Und so kam es am ersten Juli doch tatsächlich zu einem Einsatz von Oldtimer-Straßenbahnen in München!

Zum Stadteilfest in Laim fuhren der A-Wagen 256, der D-Wagen 490 und der M-Wagen 2401 mit Beiwagen zwischen Westendstraße und Wilibaldplatz. Diese Sonderfahrten wurden von der Bevölkerung begeistert aufgenommen.

D-Wagen 490 in der Agnes-Bernauer-Straße. Leider haben Szenen wie diese in München absoluten Seltenheitswert!

Doch leider war dieses Erlebnis genau so selten, als wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, denn beim nächsten Fest, dem 70-jährigen Jubiläum der Trambahn nach Moosach, am 29. Oktober lehnte die Marketing-Abteilung der SWM den Einsatz von Oldtimern kategorisch ab. Die dort beschäftigten Yuppies wollen nichts von Tradition wissen, und möchten ihren Betrieb nur ultra-modern präsentieren, am liebsten nur mit "Lilakühen". Dabei könnte man doch den technischen Fortschritt nicht besser präsentieren, als wenn man einen Wagen vom Baujahr 1901 und einen Wagen vom Baujahr 2000 nebeneinanderstellt!

Gnädegerweise durften dann wenigstens M-Wagen aus den 50-er Jahren als Sonderzüge zwischen Moosach und Westriedhof verkehren.

Bei der Veranstaltung in Moosach haten wir einen Souvenirverkaufsstand, der von Walter Gröbner betreut wurde. Der Umsatz konnte sich sehen lassen!
 
 
 
 

Im Oktober traten die folgende P-Wagen ihre Reise per Eisenbahn nach Timisoara in Rumänien an:

P-Triebwagen: 2003,  2017, 2020, 2030, 2034, 2035, 2041, 2043, 2044
p-Beiwagen:    3015, 3016, 3019, 3022, 3026, 3028, 3029, 3034, 3035

P-Wagen, verladen für Timisoara im Bhf Giesing

Daß diese Wagen nach Timisoara gehen, war auch ein Anliegen unseres Vereins.

Davon daß der Betrieb in Timisoara ordentlicher ist als in Bukarest, konnten wir uns auf unseren Reisen, die wir bereits dorthin gemacht haben, selbst überzeugen.

Außerdem erhielt Timisoara bereits die Bremer Kurzgelenkwagen, aus deren Kostruktion unsere P-Wagen seinerzeit abgeleitet wurden. Somit ist es sinnvoll, daß gleichartige Wagen zusammenkommen.

Mit einem Kredit der Weltbank wurde inzwischen ein Großteil der Gleisanlagen komplett saniert. Umso mehr ist man dort aufgrund der finanziellen Situation angewiesen, noch gut funktionierende Straßenbahnen als Geschenk zu erhalten. Die P-Wagen werden dort sicher noch viele Jahre zuverlässig in Betrib stehen.

Anfang der 70er-Jahre wurden übrigens Arbeitskräfte der Verkehrsbetriebe in Timisoara nach München ausgeliehen, um dort die M-Wagen auf schaffnerlosen Betrieb umzubauen. Einige dieser Mitarbeiter sind heut noch dort beschäftigt, und mit den Münchner Straßenbahnen sicher noch vertraut.

In Timisoara gibt es sogar ein Straßenbahnmuseum und den ersten Straßenbahnverein in Rumänien. Im Jahr 2000 wurde dort der Tram Club Banat gegründet.

Unsere traditionell Silvesterparty in der Straßenbahn konnte 2000 leider nicht stattfinden, da unsere Verkehrsbetriebe in der Silvesternacht 2000 auf 2001 grundsätzlich keine Wagen vermieteten. Ursprünglich gab es dafür sogar eine plausible Begründung. Es wurde von einem 15-Min.Takt der Tram in der Silvesternacht gesprochen. Wie sich jedoch später herausstellte war der Silvesterfahrplan diesmal auch nicht anders als in den Jahren zuvor!